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Nach unzähligem Hin- und Herüberlegen mussten wir letztendlich unseren Plan des Heaphy-Tracks aufgeben. 5 Tage wollten wir durch den Kahurangi National Park wandern, aber die Logistik der Transportorganisation und die ständig gegen uns arbeitende Zeit, die uns immer mehr machtlos durch die Finger zu rinnen scheint, setzte letztendlich der ganzen Sache einen „nicht machbar“-Stempel auf. 82 km auf einem der wunderschönsten und abwechslungsreichsten Tracks Neuseelands zu laufen, ist eine Sache, aber einen Transport für die fast 500 km vom Anfangs- zum Endpunkt in der Herbstzeit mit immer kürzer werdenden Tagen zu organisieren, eine ganz andere. Aber vielleicht muss man sich auch immer ein paar Dinge auf der geheimen Liste im Hinterkopf übrig lassen, um einen Grund für eine Rückkehr zu haben :o)

Und außerdem gibt es ja auch noch andere schöne Wanderwege. Vor einigen Wochen hatten wir von einem sehr schönen im Nelson Lake Nationalpark gehört – zum Angelus See hoch oben in den Bergen -, allerdings schreckte uns die Beschreibung des Weges (= sehr steil) ab und zudem schüchterte uns die körperliche Kondition des australischen Industriekletterers, der uns mit leuchtenden Augen davon berichtete, dermaßen ein, dass wir die Idee direkt wieder verwarfen. Mit den nun unverhofft eingesparten Tagen in den Gedanken und auf der Suche nach Alternativwanderwegen kamen wir nun also mittags im DOC-Office des Nelson Lake National-Parks in St. Arnaud an. Wie es der Zufall aber wollte, scheinen sich sämtliche Wanderwege auf die Angelus Hütte am gleichnamigen See zu konzentrieren und manche schienen plötzlich gar nicht mehr so abschreckend. Sämtliche Wanderwege waren allerdings sogenannte „Routes“, was bedeutet, dass sie zwar sporadisch markiert, aber unbefestigt sind. Dank meiner Spontaneität und meinem unbeabsichtigten Überrumpelungsverhalten durch überschwängliche Begeisterung waren wir nach einer intensiven und nervenaufreibenden Packphase 3 Stunden später bereits auf dem Speargrass – Angelus Track.



Packen auf der Wiese vor dem Department of Conservation Office in St. Arnaud.



Da es ja bereits halb drei nachmittags war bis wir loskamen, haben wir dies als willkommene Entschuldigung genutzt, die Tagesetappe von 7 Std. Aufstieg zum Angelus See in 2 Tagesetappen aufzuteilen und einen Stopp über Nacht an der Speargrass-Hütte einzulegen.



morgens an der Speargrass Hütte



Dem Speargrass Creek sind wir in einem kleinen Tal bis hoch zur Quelle gefolgt. Hier ein Bild noch unterhalb der Buschgrenze.



Wir erreichen langsam die Buschgrenze…



Wackelige Hängebrücken sind hier nur eine blasse Erinnerung an Luxus :o) Unzählige Male mussten wir den Speargrass-Creek überqueren. Die Buschgrenze haben wir hinter uns und den Anfang der Wolke, die im Tal hängt, fast erreicht.



fast geschafft! Kurze Verschnaufpause an der Wegkreuzung während wir den Blick auf den Angelus See genießen… Die Hütte ist schon ganz nah!



Verschnaufpause an der Wegkreuzung



„Danke Schicksal“ hat jemand mit Steinen auf die Wegkreuzung geschrieben… Hier war wohl jemand mächtig dankbar, den Weg noch zur Hütte gefunden zu haben…?



Hier oben scheint es eine andere Welt zu sein… kein Vogelgezwitscher, kein Autolärm, nicht mal ein bisschen Windrauschen… Die Stille ist ohrenbetäubend



Angelus See



Wolken schwappen immer wieder über die Hügelkette um den See und wabern über dem Wasser, bis sie schließlich von der Sonne einfach weggebrannt werden. Noch nie haben wir eine so mystische Stimmung erlebt und es würde uns nicht mal wundern, wenn Morgan le Fay über den See geschwebt käme, den Vorhang aus Wolken lichtet und Avalon vor uns erschiene…



Das ist nicht Morgan le Fay :o) Aber er kocht Essen und ist somit umso lieber gesehen :oD Erstaunlich, wie man beim Wandern eine Affinität zu Tee mit Hühnersuppen-Aroma entwickeln kann… Alle Geschmacksrichtungen sämtlicher Nahrungsmittel verschwimmen mit der Zeit, da Töpfe und Geschirr immer nur kalt durchgespült werden können :o)



Blick auf Mount Angelus kurz vor Sonnenuntergang



same same – but different. Blick auf Mount Angelus kurz nach dem Sonnenuntergang keine 5 Minuten später



Gemütliche Stimmung am Abend … das Fehlen von Elektrizität macht einen erheblichen Teil des Charmes der Hütten aus



Gemütliche Stimmung am Abend … das Fehlen von Elektrizität macht einen erheblichen Teil des Charmes der Hütten aus



Lesen vor dem Einschlafen… Die Wärme des kleinen Holzofens im Gemeinschaftsraum reicht leider nicht bis in die Schlafräume und so hoch oben in den Bergen ist es schon knackig kalt…da kann man sich nur (Zitat Chris) „bis zum Anschlag einkuscheln“.



Frühe Morgenstimmung… noch etwas unentschlossen stehen wir auf der Wegkreuzung und wissen nicht, ob wir den Weg durchs Tal wieder runter gehen sollen, oder wie geplant über die „Robert Ridge“ (der Bergkamm rechts), weil es so unglaublich windig ist. Nach ein paar Schritten und 3 Windböen, die mich fast von den Füßen rissen, entschieden wir uns fürs Tal…



Ein paar Höhenmeter haben wir schon verloren…Zeit für eine Pause und Sonnenstrahlen sammeln



Wir erreichen wieder die Buschgrenze…glücklicherweise spüren wir da den Muskelkater noch nicht, an dem wir uns noch weitere 4 Tage erfreuen konnten ;o)

3 Kommentare auf “Ein flüchtiger Blick auf Avalon”

  1. Ulrich sagt:

    he ihr zwei,
    wieder mal tolle bilder und feine berichte von euch ;)
    wünsch euch noch schöne tage da unten und uns mindestens genauso schöne bilder hier zum träumen…

    grüße
    ulrich

  2. Nette sagt:

    Hmmmmmmmmmmmm Tee mit Hühnersuppenflavour,dass klingt interessant für mich………und lecker schmecker??????????
    Hallo ihr Lieben, seid ja in ganz schön einsame und ‚ mystische‘ Welten abgedriftet. Unvorstellbar, dass es noch so sauberes,klares Wasser gibt. Wenn ich mir so die Höhenmeter ansehe, die ihr überwindet, tun mir ja schon allein vom Betrachten die Muskeln weh! Respekt an euch beide, dass ihr das so schafft!!!!

  3. Stephie sagt:

    Mensch, tolle Bilder. Hmm, fange wieder an zu träumen.
    Aber dein aromatischer Hühnersuppen-Tee läst mich wieder wach werden ;=)

    Wünsche euch weiterhin viel Spaß und wenig Muskelkater.

    LG Stephie

    PS. Auch liebe Grüße von Thorsten!