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Reisen erweitert deine Horizonte… es regt zum Nachdenken an und lehrt Neues, bringt dich dazu, deine Lebenskonzepte umzustricken, Standpunkte zu überdenken und ggf. auch mal zu wechseln. Heute hatte ich einen dieser Tage, der ohne besondere Initialzündung in mir ein Fass zum Überlaufen brachte und so musste ich ein paar Dinge in Worte fassen und aufs Papier bzw. den Bildschirm bringen. Ich habe eine Rede vorbereitet, die ich gerne ins Universum herausschicken möchte – gerichtet ist sie an die, die sich davon angesprochen fühlen, oder die einfach nur darüber schmunzeln wollen. Ich freu mich in jedem Falle über Gedanken und Denkanstöße eurerseits dazu. Ich möchte hier nicht eine Universalwahrheit verbreiteten. Vielmehr ist dieser Text aus verschiedenen Situationen und Konversationen heraus entstanden, die mich in letzter Zeit sehr beschäftigt haben.

Liebe deutsche Rucksacktouristen,
ich weiß, dies ist wirklich ein wundervolles Land. Es ist wunderschön und überwältigend und voller Leben und Energie und einfach atemberaubend großartig. Aber wenn ihr hierher gekommen seid, um es allein für euch zu haben oder abseits der ausgetretenen Pfade zu wandeln oder weil ihr etwas Außergewöhnliches machen wolltet, das sonst noch keiner in euren Familien/ Freundeskreisen gemacht hat, oder weil ihr mal anders Urlaub machen wolltet, als es der 0-8-15 Deutsche macht, möchte ich euch gerne an ein paar Dingen teilhaben lassen, die ich neulich herausgefunden habe.

a.) Deutsche reisen gerne.

b.) Außerdem haben wir die höchste Population in Europa. Das heißt, es gibt viele von uns. Diese Fakten zusammen wiederum bedeuten, dass die Wahrscheinlichkeit, jemanden im Urlaub zu treffen, der auch aus Deutschland kommt, ziemlich hoch ist.

c.) Aus irgendeinem Grund scheint ein Großteil der Deutschen Outdoor-Urlaub zu bevorzugen und das oftmals in Ländern, die ihrer Heimat recht ähnlich sind, wenn es z.B. um Sicherheitsgefühl in Bezug auf Fauna und Kriminalität geht. Es sollten allerdings weniger Menschen da sein und eine schöne Landschaft haben. Dies macht Neuseeland offensichtlich zu einem prädestinierten Reiseziel – wie die Besucherzahlen ja auch zeigen. Wenn ihr also in diesem Land reist oder reisen wollt, ist das nicht sonderlich außergewöhnlich, sondern eher zu erwarten oder vorhersehbar. Das ist nichts Schlechtes, aber ihr solltet anfangen darauf klar zu kommen. Ich schätze es sehr, wenn ihr Rucksackurlaub einem Strandurlaub in Luxushotels oder Busrundfahrten vorzieht, das heißt wir haben etwas gemeinsam und könnten Freunde werden oder vielleicht mal eine Zeit zusammen reisen und Länder erkunden, aber dies ist nichts Ungewöhnliches in unserer Kultur also plustert euch nicht zu sehr darüber auf. Dies ist vielleicht sogar mal eine Eigenschaft, die Deutsche für sich akzeptieren und positiv für sich verbuchen könnten. Dies bringt mich zu

d.) Wenn wir uns mal in einem Hostel für Rucksacktouristen treffen und ihr fragt mich, wo ich herkomme, rollt nicht mit den Augen (das ist unhöflich) und erwartet nicht, dass ich mich dafür entschuldige auch aus Deutschland zu kommen. Das ist nichts, worauf ich irgendwelchen Einfluss hatte, noch etwas, woran ich was ändern kann, also hört auf mich damit abzustempeln. Es ist einfach der Ort, wo ich herkomme – meine Zuhause – aber es ist nicht meine Persönlichkeit. Vorschnelles Urteilen und Vorurteile verhindern leicht, dass man nette Menschen kennen lernt und wenn ihr mal darüber nachdenkt, was die meisten Menschen an dem allgemeinen Verhalten und der Mentalität der Kiwis so sehr schätzen, dann ist es ihre offene und herzliche Art, vorurteilslos auf Menschen zuzugehen. Wenn ihr also wirklich etwas Besonderes seid in eurer offenen Einstellung und mit eurem Ich-habe-es-immerhin-gewagt-bis-ans-Ende-der-Welt-zu-reisen-Trip, hört auf damit. Wenn es einfach nur die Sprache ist, die euch annervt und ihr nur nicht ans andere Ende der Welt geflogen seid um Deutsch zu sprechen, spreche ich auch gerne Englisch mit euch.

e.) Trotz all der Pakehas (weiße Kiwis), die vornehmlich aus Europa kamen und hier in Neuseeland gesiedelt haben, und den Tonnen von Rucksacktouristen aus aller Welt, ist es in den meisten Teilen des Landes und besonders auf der Südinsel recht einsam und ursprünglich. Wenn ihr also ins Hinterland geht um mal tief durchatmen zu können und die Klarheit, Reinheit und Einsamkeit der Natur in euch aufsaugen zu können, hört bitte auf, die gleichen Standards von zu Hause zu erwarten, wo es an jeder Ecke einen Mülleimer zu finden gibt. Wenn ihr in einem Nationalpark wandern geht, nehmt euren Müll wieder mit und erwartet nicht, dass das Department of Conservation jeden Campingplatz mit all den Dingen ausstattet, die für euer Wohlbefinden und eure Annehmlichkeiten nötig sind. Was man mit in den Park reinträgt, muss man auch wieder raustragen. Und bitte prellt nicht die Zeche des Department of Conservation auf den Campingplätzen, bloß weil ihr angenervt seid vom Fehlen eines Müllabfuhrservices, Toiletten mit Spülung oder Duschen… die Jungs und Mädels da machen einen verdammt guten Job und verdienen es, auch dafür bezahlt zu werden. Ihr habt euch einen Urlaub im Hinterland ausgesucht, nun akzeptiert auch die logischen Konsequenzen und kommt auf euer Leben klar.

Ich hoffe, ich habe euch mit meiner Rede nicht auf die Füße getreten, deutsche Rucksacktouristen. Ich wollte euch nur ein paar Denkanstöße geben und euch darauf stupsen, dass auch ihr eine/r der Deutschen seid, von denen die Deutschen hier so angenervt sind. Also bitte hört doch einmal auf, euch permanent zu beklagen und tut das, warum ihr eigentlich hier seid: die Schönheiten dieses wunderbaren Ortes zu genießen und zu erfahren… „das Paradies ist kein Ort, den man suchen kann, sondern es ist ein Gefühl, das man in einem bestimmten Moment seines Lebens hat“ (aus der Erinnerung heraus zitiert von den „beached lyrics“) und vielleicht findet ihr ja nette Menschen, mit denen ihr dieses Gefühl dann teilen könnt, wenn ihr es irgendwann einmal gefunden habt… auch wenn sie zufällig vom gleichen Ort kommen wie ihr.

12 Kommentare auf “Was ich noch zu sagen hätte… Gedanken unserer Reise”

  1. Helga sagt:

    Oh….wie Recht DU doch hast!!!!!!sprichst mir aus der Seele…..

  2. Teena sagt:

    ich seh schon: euch hat das „how to get into tibet“-syndrom der Backpacker erwischt….PAL-Feld hilft…und bringt die Spinner bloss nicht auf die Idee irgendwo hin zu fahren wo es wirklich „wild“ is ;)
    I feel for you! Honestly, aber das wird sie nie aendern

  3. Caro sagt:

    Hihi, das kann ich gut nachvollziehen.
    Ich find es immer witzig wenn man in irgendeiner fernen Stadt in einem fernen Land auf einem fernen Kontinent ist und sich dann, zur ersten Orientierung – den Stadtrundgang aus dem Planet vornimmt.
    Nach der zweiten Straßenecke kann man den Planet oft wieder einpacken und folgt einfach den anderen mit dem auffälligem Buch in der Hand.
    Mit dem Planet reisen heißt Reisende treffen, heißt manchen Hostels und Restaurants zu Reichtum zu verhelfen und anderen das Leben recht schwer zu machen.
    Trotzdem nehme ich ihn immer mit, weil er einfach die besten Stadtkarten u.a. hat. Aber das Buch lehrte mich, dass ich einfach eine weitere Reisende bin und der Weg den man geht von sehr vielen gegangen wird.
    Und wenn man sich selbst nicht mehr so wichtig nimmt, macht das Reisen nicht weniger Spaß.
    Hoffe ihr trefft noch nette Rucksack – Exemplare :)
    Habt viel Spaß!

  4. Katja & Andy sagt:

    Hallo ihr beiden…
    oh je…Christian, eigentlich bist du ja von nichts aus der Ruhe zu bringen…da muss ja schon einiges zusammen gekommen sein, dass du dich zu einer verfassten Rede hinreißen lässt…
    haben eben im Fernsehen gesehen, dass es an der Thailändisch-kamodschanischen Grenze erneut zu massiven Unruhen gekommen ist. Beruhigend, dass ihr gesund weiter eure Reise antreten konntet.
    Freuen uns immer wieder über eure Reiseberichte, dann haben wir immer ein wenig das Gefühl, aktiv an euren Reisen teilzuhaben.
    Liebe Grüße
    Katja und Andy

    • Chris sagt:

      Gugu,

      das hast du richtig erkannt. Der Blog-Eintrag ist nicht von mir, sondern Kathi :-) Im allg. wird der deutsche Eintrag unter meinem Namen veröffentlicht und der engl. unter Kathis, da so unter jedem Benutzer ein Facebook-Status-Update erscheint und wir so unsere unterschiedlichen Freundeskreise erreichen!

      Wir freuen uns immer riesig, wenn wir hier merken, dass die Leute auch mitlesen und ein bisschen an unserer Reise teilhaben!

      • Dirk sagt:

        Lesen und Bilder gucken immer, schau mindestens alle 2 Tage auf die Seite, wenn ich nur nciht so schreibfaul wäre :)
        Andy hast du ncoh nie gehört wenn sich Kati über etwas aufregt, der Schreibstill war Typisch Kati finde ich! :)

  5. Katja & Andy sagt:

    „kambodschanischen“ meinte ich…habe ich es diesmal richtig geschrieben…??ich hasse diese Tastatur….

  6. Dirk sagt:

    :))
    Jetzt weis ihr auch warum ich mich in meiner zeit in NZ von Deutschen Backpackern ferngehalten habe, immer wenn ich im Supermarkt Deutsch gehört habe, war meine reaktion eher einen Gesichtsausdruck aufzusetzten, der sagt „Ich verstehe keinen Ton“ :). Habe sehr nette und tolle Deutsch getroffen, die auch bei mir im Markt gearbeitet haben(holiday-work-visa), und glaube auch mit Ales bis heute noch keine 20 Worte in Deutsch gewechselt zu haben. Einfach weil so auch alle anderen mit bekommen konnten über was man Spricht.
    habe aber auch den ein oder anderen in den Pub’s gesehen, wo nur Fremdschämen angesagt war.

    PS: Backpacken ist auch nicht mehr so wie das mal war, hatte hier letzen so das Gefühl das es mitlerweile in Guten Kriesen IN ist. Im Bus zur Arbeit ein Mädel mit großem und kleinem Rücksack, und beim aussteigen seh ich das dazu aber die Hohen Highheeldesingerstiefel. Da ist dann Hauptsache schick statt praktisch und funktionel angesagt.

    Aber Hauptsache ihr habt spaß und ich bin sicher ihr trefft auch jede menge tolle, interessante, lustige und offene Leute.

  7. Erk Molt sagt:

    Also ich fand das ja gut… mehr deutsche Rucksacktouristen desto weniger Deutsche treffe ich dann auf Malle. :D Nee im Ernst. Das ist halt so – viele Deutsche wollen dem Deutschsein entfliehen und fahren zum Ende der Welt nur um genau dort andere Deutsche zu finden, die auch keine Deutschen sehen wollen. Sehr deutsch!

  8. Christian sagt:

    Hallo Kathi,
    kann deinen Frust gut verstehen, ich habe in einem Urlaub auch mal bestimmte Vertreter unseres Landes getroffen; habe dann den ganzen Abend mit Ulrike nur englisch gesprochen damit keiner auf die Idee kam wir gehörten zu den Landsleuten am Nachbartisch. Grr.
    Ansonsten geniesse die wilde Landschaft (Bald wieder mehr Bilder??)
    Grüsse aus dem kalten Norden von Papa

  9. Raewyn sagt:

    I cannot read the other responses as they are all in German. But I really like and appreciate your thoughts. Well said :-)