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Noch am gleichen Tag, als wir Patrick zum Flughafen gebracht hatten, brachen wir aus Christchurch auf in den Süden – zu unserem Glück wie sich herausstellte, denn unser Hostel war nur ein paar Querstraßen von dem Teil der Innenstadt entfernt, wo das Erdbeben den meisten Schaden angerichtet hat. Wir haben noch immer nicht herauskriegen können, ob die Häuser vom „Old Country House“ auch betroffen sind, aber das liegt v.a. an unserer schlechten momentanen Internetverbindung hier in den Catlins. Aber bleiben wir lieber erstmal chronologisch. Also:

Nachdem wir Patrick zum Flughafen gebracht hatten, fuhren wir für 3 Nächte in eins meiner Lieblingshostels – die „Olive Grove“ 20min südlich von Oamaru an der Ostküste der Südinsel. Geplant waren dort eigentlich nur 2 Tage, aber schon beim herzlichen Empfang von Kim, Lyn und ihren beiden Kindern in ihrem liebevoll eingerichteten und außerdem Neuseelands erstem und einzigem „certified organic Hostel“ haben wir uns so wohl gefühlt, dass wir beschlossen noch etwas länger zu bleiben und ein wenig auszuspannen, unendlich viel Tee zu trinken, in den Hängematten abzuhängen und zu lesen :o)

Dann standen wir auch schon gewissermaßen vor dem Tor zum Bermudadreieck von Neuseeland.. zumindest habe ich mal gehört, dass die Maoris das Landstück zwischen den Städten Dunedin, Invercargill und Te Anau so nennen. Bei meinen vergangenen Besuchen hier, habe ich mich hier an der (im weiteren Sinne) Südküste nie sehr wohl gefühlt – zwar gefiel mir die Landschaft, aber trotz alledem hatte ich eine permanente Rastlosigkeit, die mich immer wieder schnell hier raus trieb. Ich hatte mir damals nie viel dabei gedacht, aber als ich von anderen ähnliche Erfahrungen gehört hatte, machte mich das schon ein wenig stutzig. Wie auch immer – das ungefähr ist eine Beschreibung meines flauen Gefühls in der Magengegend bei dem Gedanken, wieder nach Süd-Otago und Southland zu fahren. Aber vielleicht lag es diesmal an Christians sonnigem Gemüt oder an der erhöhten Sonnenscheinfrequenz, die ich hier erstmalig erlebte (meine Erinnerungen von damals verschwimmen zwischen Regen, Wind und Dauerregen), diesmal jedenfalls fühlte ich mich hier sogar richtig wohl :o) Wir campten auf der Otagohalbinsel (eine halbe Stunde östlich von Dunedin) und erforschten die wunderschöne Küstenlandschaft, suchten (leider vergeblich) Albatrosse und beobachteten blaue Pinguine bei ihrer Rückkehr zu den Nestern. Gerade Letzteres war ein ganz besonderes Erlebnis: Unterhalb des Parkplatzes vor den Albatrosskolonien befindet sich in Wassernähe eine Kolonie der blauen Pinguine, die nach Einbruch der Dunkelheit hierher zurückkehren um ihre Jungen zu füttern. So standen wir da also bei Wind und Regen und warteten. Schon bald kamen auch die ersten Pinguine an Land und sammelten sich am Fuße des kleinen Hügels, auf dem wir standen. Hier warteten sie scheinbar auf ihre Kolonie-Nachbarn zwecks Neuigkeitenaustausch (zumindest sah es so aus) und ließen sich im Wind trocknen. Als sie eine ihrer Meinung nach adäquate Anzahl erreicht hatten, machten sie sich gemeinsam auf den Weg nach oben zu den Nestern. Laufen ist gar nicht so leicht, wenn man ein Pinguin ist, scheint mir. Hierfür recken sie den Kopf nach oben, lehnen sich nach vorn, bis sie fast einen 45° Winkel zum Boden erreicht haben und versuchen unter Ausbalancieren mit den Flügeln ihre Koordinationsstörungen durch Schnelligkeit wieder gut zu machen. Wenn man ganz still stehen bleibt, nehmen einen die nur etwa 30 cm großen Vögel nicht wahr und laufen unter Umständen buchstäblich in einen hinein. Das ist mir auch gleich passiert, als ein Pinguinpaar mich am Boden hockend übersah und fast in mein Knie hinein lief. Aber nach Luft anhalten und wie versteinert dasitzen meinerseits und wildem hin- und hergucken ihrerseits sind wir wohl alle drei zu dem Schluss gekommen, keine Gefahr füreinander zu sein (die spitzen Schnäbel, die fast meine Hand berührten haben mich schon etwas nervös gemacht) und so sind sie in eben beschriebener Weise unter wildem fiepsen bis zu ihrem Nest weitergewatschelt, wo ich selbst aus der Distanz und mit dem Wind ihre Jungen sie willkommen heißen hörte.



Sandfly-Bay, Otago-Halbinsel



Sandfly-Bay, Otago-Halbinsel

Als das Erdbeben war, waren Christian und ich mehr damit beschäftigt uns Mittagessen bei Hell-Pizza (die beste Pizzeria-Kette hier) zu beschaffen. Genau genommen dachte Chris, ich würde ihn ärgern und am Auto wackeln. Hank hat sich mit seinen kaputten Stoßdämpfern als ein hervorragender Erdbebenindikator herausgestellt. Erst das merkwürdige Verhalten der anderen Menschen ließ darauf schließen, dass wirklich etwas nicht in Ordnung war. Auf einer Straße in Dunedins Innenstadt etwa 10 min später trafen wir zufällig Kim vom Olive Grove Hostel, der uns erzählte, dass das Epizentrum vom Erdbeben wohl in Lyttleton (ein Ort ein paar Kilometer außerhalb von Christchurch) gewesen sei und somit die Innenstadt von Christchurch mehr betroffen sei. Mehr Informationen hatte er noch nicht (war ja auch noch keine Viertelstunde her) und da dies noch nicht so dramatisch klang, machten wir uns verhältnismäßig bedenkenlos auf unseren Weg weiter nach Süden auf der Southern Scenic Route bis in die Catlins. Wie wir ja schon geschrieben haben, war der Schock umso größer, als wir am Abend im Hostel endlich Zugang zu einem Nachrichtensender bekamen – allerdings konnten wir nur das normale Telefon benutzen und schon mal unseren Familien Bescheid sagen, aber da es kein verfügbares Handynetz gibt, dauerte es auch bis zum nächsten Morgen bis wir endlich auf einer Klippe am süd-östlichsten Rand des Landes am Nuggetpoint zwar ein schwaches, aber immerhin überhaupt ein Signal für den Internetstick fanden. Anfangs dachten wir ja, dass es am Zusammenbruch von Vodafone lag, aber nein, es stellte sich heraus, dass es dann doch einfach an dieser Region hier liegt.

Die folgenden Tage verbrachten wir mit unserer neuen Lieblingsbeschäftigung: Wandern – erst zu Wasserfällen und Stränden in der Gegend unseres Hostels und dann 2 Tage lang auf einem wunderschönen Wanderweg um Papatowai – dem Top-Track. Dieser recht unbekannte Wanderweg ist deshalb so besonders, weil man die vielen abwechslungsreichen Eigenheiten dieser Region zu sehen bekommt: von Sandstränden über Klippen, Weiden und Wiesen bis hin zu Wald und wildestem Buschland. Fünf ansässige Farmfamilien ermöglichen maximal sechs Personen pro Tag diese einmaligen Anblicke auf ihren Ländereien. Die Besucherzahl ist durch die Übernachtungsmöglichkeit bestimmt: ein Omnibus der 1950er Jahre aus Dunedin auf der Spitze eines Hügels wurde umgebaut und mit Betten, Gasherd und Gasheizung ausgestattet. Chris und ich waren an dem Tag sogar die einzigen und haben über Stunden kein Lebewesen gesehen, abgesehen von einem Farmer und ner Menge Schafe und Kühe. Wobei man sich eine Nacht auf einem verlassenen Hügel in einem Bus wesentlich romantischer vorstellt – die Wirklichkeit ist mit schmerzenden Muskeln, viel regennassen und verschwitzt-stinkenden Klamotten und ansprechender Funktionswäsche verbunden ;o) Wir haben ne Menge zu lachen gehabt :o)



in den Catlins



Leuchtturm bei Nugget Point, Sonnenaufgang





Purakaunui Wasserfall

bei dem McLean Wasserfall

McLean Wasserfall


irgendwo unterwegs



Der erste Teil vom Top-Track, Papatowai Beach



Der erste Teil vom Top-Track, Papatowai Beach







da sind wir wohl versehentlich den falschen Hügel hoch… schade eigentlich… v.a. wegen dem Regen

der „Top-Bus“

Zeit für Abendessen :o)


Die schönste Aussicht, die man sich für ein Klo vorstellen kann ;o)



Die schönste Aussicht, die man sich für ein Klo vorstellen kann ;o)


für die ganz Mutigen gab es sogar eine Dusche mit frischem kaltem Wasser

Aussicht vom Top-Bus





im Wald



nenn es, wie immer du willst… Fangorn, Pandora, Nimmerland… alle Namen hätten hier zutreffend sein können :o) An den richtig spannenden Stellen, wo wir sogar ein bisschen klettern mussten und der Busch richtig dicht war, haben wir nicht photographieren können… wirklich schade, aber es hätte bestimmt auf einem kleinen Photo ohnehin nicht so gewirkt…



McLannen River, fast schon am Ende vom Top-Track







Seelöwen am Strand



Seelöwen am Strand

Ab morgen geht es raus aus den Catlins zum südlichen Punkt des „Bermudadreiecks“: Invercargill. Von hier aus werden wir versuchen unseren Trip nach Stewart Island zu organisieren, was uns hier ohne Internet/Handyempfang leider bisher nicht möglich war. Mal gucken, was die Außenwelt so zu sagen hat!

10 Kommentare auf “Im Bermuda-Dreieck am Ende der Welt”

  1. Chris Toph sagt:

    Also wirklich der absolute HAMMER… was für super geile Bilder :-)
    Da bekommt man so richtig fernweh..

  2. Conny sagt:

    OMG OMG OMG *______________________________* Das ist so wunderschön! Ich weiß…ich wiederhole müüüsch aber ICH BIN NEIDISCH!!! xDD Ich möchte, wenn ihr zurück seid, ein Album! Mit aaallen Bildern drin *_* Bitte mit dem Titel „Conny’s persönliches, kleines Pandora“^^ vielen Dank! End of message ^^

    • Chris sagt:

      Hihi, mal gucken was wir da machen können. Klären wir spätestens im August bei Andy im Keller! :-)

  3. Nette sagt:

    Hallo ihr beiden,
    beruhigend, dass ihr doch das G l ü c k und die Gabe habt zum richtigen Zeitpunkt am ‚richtigen Ort‘ zu sein………
    Die Bilder sind einfach großartig!!!

  4. Raewyn sagt:

    Gorgeous photos Katie. I am so glad you were south of Chch when the tragedy hit. It has been awful.

  5. Volker sagt:

    Hallo,
    wie unfassbar gut Eure Bilder sind! Ich weiß ja, wie gut Chris photografieren kann – aber Kathi steht dem ja in nichts nach.
    Was sind nochmal Eure Pläne wenn Ihr wieder da seid? Doch bestimmt nicht mehr Lehramt und PC-Freak, Ihr bewerbt Euch doch mit dieser Seite bestimmt bei National Geographic oder GEO oder ähnlichem. ;-)
    Jedesmal wenn ich Euch hier besuche vergehen Stunden mit Bilder schauen und Träumen. Gebt mir mehr…. :-)
    Lieben Gruß und weiterhin alles Gute.

    • Chris sagt:

      Wow Volker, Danke! Es freut uns ja immer riesig, wenn ihr hier mitlest und auch ab und an mal was schreibt, bei dir aber freue ich mich ganz speziell, da ich ja weiß welch ein Internet-Muffel du bist… Finden wir super und noch schöner das dir die Berichte und Photos gefallen! :-)
      Viele Liebe Grüße vom anderen Ende der Welt