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29.05. – 31.05.11

Hier sitzen wir nun mit leichten Gleichgewichtsstörungen am Flughafen in Pangkalan Bun und warten auf unseren Rückflug nach Surabaya.  Die letzten 3 Tage haben wir an Bord eines Hausboots verbracht und unsere Körper haben sich wohl noch nicht an festen Boden unter den Füßen gewöhnt -> es schwankt alles noch ganz schön :-)

Aber nun mal ganz von Anfang an:

Als wir in Pangkalan Bun ankamen, hatten wir noch nicht wirklich einen Plan, wir wussten weder mit welchem Guide noch wie lange wir im Tanjung Nationalpark unterwegs sein werden. Wir haben uns im Hotel mit Anang Emen, einem englisch sprechenden Guide, getroffen und die Details  unseres Trips geplant.  Er hat uns wirklich sehr geholfen und die ganze Organisation für uns übernommen, inklusive der Buchung des Rückflugs nach Surabaya.

Am Sonntag morgen um 8:00 ging es los. Anang hat uns am Hotel abgeholt und nach Kumai zum Hafen  gefahren, wo unser Zuhause für die nächsten 3 Tage wartete: das Hausboot. Die  Besatzung, bestehend aus dem Kapitän Suma und dem Koch Topik, verlud gerade die Einkäufe vom Wochenmarkt als wir an Bord gingen. Für unser kleines Abenteuer war alles bestens vorbereitet und die Fahrt konnte beginnen!

Der Tanjung Puting Nationalpark besteht zu großen Teilen aus Sumpfgebiet und Dschungel, welcher von Flüssen durchzogen ist. In diesem Park sind seit den 1970ern drei Camps errichtet worden um Orangutans wieder auszuwildern. So kann man in diesem Nationalpark wilde und semiwilde Orangutans sehen. Jedes Camp hat Fütterungsstellen, an denen täglich Bananen ausgelegt werden um die semi-wilden Orangutans zu füttern. Hier hat man die einmalige Gelegenheit diese gigantischen Tiere aus nächster Nähe beobachten zu können, ohne dass ein Gitter oder ähnliches vorhanden ist. Lediglich die Ranger aus dem Camp und Guides wie Anang sind in der Nähe anwesend um im Ernstfall (dusseliges Verhalten der Touristen oder Übergriffe auf/von Orangutans) einschreiten zu können.

In den 3 Tagen haben wir diese Camps besucht: haben den Orangutans an den Fütterungsplattformen zugesehen, die verschiedenen Affenarten in den Bäumen entlang des Flusses beobachtet und konnten sogar einen wild lebenden Orangutan erspähen. Es fällt mir schwer das Erlebte in Worte zu fassen, angefangen bei den Tieren, die sich in vielerlei Hinsicht so erstaunlich menschlich verhalten, bis hin zu den Rangern und ihren ebenfalls dort lebenden Familien, die so eine natürliche Art haben mit den Tieren umzugehen, und unserem Guide mit Crew, mit denen wir so viel lachen konnten und die uns mit Unmengen von traumhaftem Essen versorgte. Wann immer wir schweißgebadet oder vom Regen durchnässt von einer Tour aus den Camps zurück kamen, wartete Topik schon mit Leckereien wie fritierte Bananen und man versorgte uns umgehend mit einem kalten Getränk! Anang war wirklich toll, er macht diese Dschungeltouren seit vielen Jahren und hat selbst schon ein Jahr als Assistent einer kanadischen Forscherin in einem der Camps gearbeitet und kannte sich bestens aus mit Orangutans, den Camps, dem Nationalpark und dem Dschungel.

Jeden Orangutan kannte er beim Namen und auch dessen Besonderheiten und Charaktereigenschaften. So zum Beispiel Princess, eine schon etwas in die Jahre gekommene Orangutandame, die in Gefangenschaft  vor Jahren mal ein paar Dinge in Zeichensprache beigebracht bekam. Nun kann sie mit Menschen basal kommunizieren: „ich will Futter“, „das ist eine Sonnenbrille“, „Danke“ etc.

Anang hat so eine lebendige Art über Erlebnisse aus dem Park zu erzählen, man merkt direkt, dass er sich in die Denkweise der Orangutans einfühlen kann. Dies zusammen mit seiner Mimik und seinem trockenen Humor sorgten für eine unvergesslich schöne Zeit. Sei es beim warten auf die Orangutans, Unterschlupf suchen vor dem Regen oder den unzähligen Unterhaltungen an Bord, die Diskussionen waren von gegenseitigem Interesse geprägt und mal informativ und mal lustig, meist aber beides zusammen.

Wir haben uns hier am Flughafen gerade von ihm verabschiedet und es fühlt sich an, als ob man sich von einem guten Freund verabschiedet hätte. Falls ihr mal in den Tanjung Puting National Park wollt, wir können euch Anang nur wärmstens empfehlen! (Kontaktdaten von ihm sind: anangemen@yahoo.co.id oder Telefon +62 (0) 81349772086 )



Mit dem Boot durch den Dschungel



Oben an Deck unter dem Dach haben wir auf Matratzen und mit Mosquitonetz gecampt



Anang



Captain Suma



Topik, unser Sternekoch







Schild am Camp-Eingang







Diese in der Sonne chillende Orangutan-Dame hat sich das Handtuch von einem Boot am Anlegesteg stibitzt, sich umgewickelt und damit zu ihrem Sonnenplatz gelaufen







Fütterungszeit



Fütterungszeit





















Na, wer kann diesem Blick schon widerstehen, he? :o) Das ist Pen, ein Orangutan-Männchen und außerdem ein  Sohn von Princess, welcher auf dem Weg zu Camp Leakey direkt am Fluss in einem Baum saß. Pen mag das Camp und das angenehme, leichte Leben dort sehr. Vor allem da es hier so viele Touristen gibt, denen man die Taschen ausräumen und so leicht an Essen kommen kann. Die Ranger mögen das jedoch so garnicht, da er bei Touristenmangel sich auch gern mal an den Hausvorräten der Ranger vergreift. Als Erziehungsmaßnahme betäuben sie Pen deswegen, um ihn weit weg vom Camp im Dschungel auszusetzen. Wenn Pen dann aus seiner Narkose erwacht und seine Umgebung wahrnimmt, ist „nicht erfreut“ noch eine Untertreibung. Aber Pen ist ja ein schlauer Orangutan und so sucht er sich nach seinem Wutanfall den nächsten Fluss, um sich dort in einen Baum zu setzen und auf Touristenboote zu warten, die er als Transportmittel zurück zum Camp nutzen kann UND die auch noch praktischer weise viel Essen an Bord haben (quasi per Anhalter durch den Tanjung Puting NP :-) ). Ananags Lebensweisheit, die er uns hierzu mit auf den Weg gibt: „Wenn du einen Orangutan am Flussufer findest – auch wenn er noch so freundlich aussieht – halte NIEMALS das Boot an.“ Man sollte lieber sehen möglichst schnell Land zu gewinnen. Ist ein Orangutan erst mal auf dem Boot, steht praktisch nichts und niemand mehr zwischen ihm und den Essensvorräten. Anang erzählte, er hätte Männer bereits vom Boot springen sehen als König Tom mal zu Besuch kam [der ist natürlich der Größte und Stärkste]. „Da haben die doch sogar glatt vergessen, dass es hier ne Menge Krokodile gibt *:oD*“ (Kathis Frage: Warum? Sind Orangutans denn gefährlich?“) „Wenn du versucht ihnen Essen vorzuenthalten, schon. Sie beißen. Ihre Zähne sind nicht sonderlich scharf, aber sie haben ungeahnte Kräfte in ihrem Unterkiefer. Damit können sie dir den Knochen brechen.“



Angeschwemmte Pflanzen versperren den Weg











Spielend Kräfte messen: „Noch ein Schritt auf mich zu und wir sind ’n Knäuel!“



Knäuel.





Wie bei uns Menschen. Kind will nicht mit und wehrt sich mit Händen und Füßen. Teil I



Wie bei uns Menschen. Kind will nicht mit und wehrt sich mit Händen und Füßen. Teil II (Mama kennt die Tricks)



Wie bei uns Menschen. Kind will nicht mit und wehrt sich mit Händen und Füßen. Teil III (Mist…*schmoll*)



gechillte Artisten





Abendessen bei Sternenlicht. Anang bestand auf das Foto… naja, so seht ihr wenigstens unser phantastisches Essen :oD





maximale Ausnutzung der Zuladekapazität in Händen und Füßen… da jeht noch wat rein!



auch Wildschweine erfreuen sich der regelmäßigen Fütterungszeiten… die Banane hat ihm/ihr sogar eins der Orangutan-Babys zugeworfen





Kletterübungen



Die Ranger müssen ihre Häuser im Camp verriegeln um ihre Vorräte vor selbstversorgerfaulen Orangutans zu schützen. Die Tiere sind hochintelligent und sind durchaus in der Lage, sich an genaueste Details zu erinnern wie Essensverstecke z.B. . Vor unserem Aufbruch zum ersten Camp warnte Anang uns auch, in unsere Wasserflaschen nichts reinzumischen wie Engergydrinks o.ä. „Sie wissen genau, dass das bunte Zeug immer das süße ist!“







Heidi Klum wäre stolz auf diese Pose gewesen





Anang



Panisch-hektische Futterbeschaffung bevor ein Krokodil vorbei kommt



Panisch-hektische Futterbeschaffung bevor ein Krokodil vorbei kommt



4 Kommentare auf “Affentheater im Dschungel”

  1. Helga sagt:

    oooooohhhhhhhh…….wie doll find ich das denn????SEHR,SEHR,SEHR………auch die „Futterzeit“ ;-) ;-) :-)

  2. Benni sagt:

    Bis jetzt war ich nur ein bisschen neidisch, aber …Orang-Utans…ooooohhhhhhhh…

  3. Benni sagt:

    Ich habe Zweifel, dass ihr zwei nochmal ins „normale“ Leben zurückfindet. :D

  4. Uwe sagt:

    Hi,
    tolle Fotos, wecken die Erinnerungen an 2009 wach.
    Da waren wir auch im Camp und können uns noch gut an Princessa erinnern.
    Nächsten Mittwoch gehts wieder nach Borneo, mal gucken was wir so erleben.

    lg Krisna und Uwe